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Bibliotheken

Bibliotheken in Hamburg: Bücherhallen, Fachbibliotheken und was sie leisten

Hamburg unterhält eines der dichtesten öffentlichen Bibliotheksnetze Deutschlands. Wer weiß, welche Einrichtung welchen Auftrag hat, findet auch Bestände, die nicht im Regal einer Stadtteilbücherei stehen.

Redaktion Elbmeldung · Veröffentlicht am · 3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

Öffentlich
Die Bücherhallen Hamburg betreiben ein stadtweites Netz aus Stadtteilbüchereien, Zentralbibliothek und Bücherbussen.
Wissenschaftlich
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky ist zugleich Landesbibliothek.
Digital
Ein großer Teil des Angebots läuft über Onleihe, Streaming und Datenbanken.
Zugang
Öffentliche Bibliotheken stehen allen offen; wissenschaftliche Bibliotheken meist ebenfalls, teils mit Einschränkungen bei der Ausleihe.

Die drei Schichten des Hamburger Bibliothekswesens

Wer in Hamburg etwas lesen, ausleihen oder recherchieren will, bewegt sich in drei getrennten Systemen mit unterschiedlichen Aufträgen. Sie überschneiden sich kaum, und das ist beabsichtigt.

SchichtAuftragTypischer Bestand
Öffentliche BibliothekenGrundversorgung für die BevölkerungBelletristik, Sachbuch, Medien, Kinder- und Jugendbereich
Wissenschaftliche BibliothekenForschung und Lehre, PflichtexemplarrechtFachliteratur, Zeitschriften, Datenbanken, historische Bestände
SpezialbibliothekenEin Fachgebiet in der TiefeRecht, Medizin, Technik, Seefahrt, Musik, Kunst

Der häufigste Fehler bei der Recherche ist, alles in der ersten Schicht zu suchen. Eine Stadtteilbücherei hat einen guten Bestand für den Alltag, aber keine Fachzeitschriften und keine Normen.

Die Bücherhallen Hamburg

Die Bücherhallen sind das öffentliche Bibliothekssystem der Stadt: eine Zentralbibliothek in der Innenstadt, dazu Stadtteilbüchereien in allen Bezirken, Kinderbibliotheken und mobile Angebote, die Stadtteile ohne festen Standort ansteuern.

Organisatorisch handelt es sich um eine Stiftung, nicht um ein Amt. Das ist der Grund, warum die Bücherhallen eigene Gebührenmodelle und ein eigenständiges Programm haben, das über die klassische Ausleihe hinausgeht.

Was über das Ausleihen hinausgeht

  • Arbeitsplätze und Lernräume, in vielen Häusern mit langen Öffnungszeiten – für Schülerinnen und Studierende oft der eigentliche Grund für den Besuch.
  • Digitale Angebote: Onleihe für E-Books und E-Audios, Zeitungs- und Zeitschriftendatenbanken, Musik- und Filmstreaming, Sprachlernplattformen.
  • Kurse und Veranstaltungen, von Leseförderung bis Medienkompetenz.
  • Makerspaces und technische Ausstattung an einzelnen Standorten.
  • Bibliothek der Dinge an manchen Häusern: Werkzeuge, Messgeräte, Spiele.

Die Staats- und Universitätsbibliothek

Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky hat eine Doppelrolle. Sie versorgt die Universität mit Fachliteratur und ist gleichzeitig Landesbibliothek für Hamburg.

Aus der Landesbibliotheksfunktion folgt das Pflichtexemplarrecht: Verlage mit Sitz in Hamburg müssen Belegexemplare ihrer Veröffentlichungen abliefern. Die Bibliothek sammelt damit systematisch, was in und über Hamburg publiziert wird – für stadtgeschichtliche Recherchen ist das der zentrale Bestand.

Nutzen darf sie grundsätzlich jede und jeder, nicht nur Universitätsangehörige. Für die Ausleihe ist ein Bibliotheksausweis nötig, historische und besonders wertvolle Bestände sind auf den Lesesaal beschränkt.

Fach- und Hochschulbibliotheken

Jede Hamburger Hochschule unterhält eine eigene Bibliothek mit dem Schwerpunkt ihres Fächerspektrums. Dazu kommen Spezialbibliotheken, die keiner Hochschule zugeordnet sind.

  • Technisch-ingenieurwissenschaftliche Bestände an der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Hamburg in Harburg.
  • Anwendungsorientierte Fachliteratur an den Bibliotheken der Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
  • Medizinische Literatur an der Bibliothek des Universitätsklinikums.
  • Rechtswissenschaftliche Bestände an den Fakultäts- und Seminarbibliotheken der Universität.
  • Maritime und wirtschaftswissenschaftliche Spezialbestände in eigenen Einrichtungen der Stadt.

Für die Nutzung gilt meist: Lesen und Recherchieren vor Ort ist offen, die Ausleihe kann an eine Zugehörigkeit gebunden sein. Ein Anruf vor dem Besuch spart hier regelmäßig einen vergeblichen Weg.

Wie man den richtigen Bestand findet

  1. Alltagsliteratur, Medien, Lernraum: Bücherhallen, nächstgelegene Stadtteilbücherei.
  2. Wissenschaftliche Literatur, Zeitschriften, Datenbanken: Staats- und Universitätsbibliothek.
  3. Fachliteratur eines bestimmten Gebiets: die Bibliothek der Hochschule, an der das Fach gelehrt wird.
  4. Hamburgensien und Stadtgeschichte: Staats- und Universitätsbibliothek, ergänzend das Staatsarchiv.
  5. Titel nirgends vorhanden: Fernleihe über eine der wissenschaftlichen Bibliotheken.

Häufige Fragen

Was kostet ein Bibliotheksausweis in Hamburg?
Bei den Bücherhallen gibt es eine Jahresgebühr mit ermäßigten Tarifen für Kinder, Jugendliche, Studierende und weitere Gruppen. Die aktuellen Sätze stehen auf der Seite der Bücherhallen; wissenschaftliche Bibliotheken haben eigene, oft günstigere Modelle.
Kann ich E-Books ausleihen, ohne in die Bibliothek zu gehen?
Ja. Mit einem gültigen Ausweis läuft die Onleihe vollständig digital. Nur die Erstanmeldung kann einen Besuch erfordern.
Darf ich die Universitätsbibliothek ohne Studium nutzen?
Ja. Die Staats- und Universitätsbibliothek steht der Öffentlichkeit offen. Für die Ausleihe ist eine Anmeldung nötig, für die Nutzung der Lesesäle in der Regel nicht.
Was ist Fernleihe?
Ein Verfahren, mit dem Bibliotheken Titel voneinander beschaffen, die im eigenen Bestand fehlen. Sie ist kostenpflichtig, aber günstig, und dauert je nach besitzender Bibliothek einige Tage bis Wochen.

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