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Stadtentwicklung

Wo Hamburg wächst: Grasbrook, Oberbillwerder und die anderen Quartiere

Hamburg baut nicht in die Fläche, sondern auf Konversionsflächen: alte Hafenbecken, aufgegebene Gleisanlagen, ehemalige Kleingärten. Fünf Projekte prägen die kommenden Jahre.

Redaktion Elbmeldung · Veröffentlicht am · 3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

Prinzip
Innenentwicklung auf bereits genutzten Flächen statt Ausdehnung ins Umland.
Größtes laufendes Projekt
Die HafenCity, seit über zwei Jahrzehnten im Bau.
Neu auf der Karte
Grasbrook und Oberbillwerder als komplett neue Stadtteile.
Zeithorizont
Alle Projekte laufen über Jahrzehnte, nicht über Legislaturperioden.

Warum Hamburg so baut

Hamburg ist von Schleswig-Holstein und Niedersachsen umschlossen. Anders als Städte mit Eingemeindungsspielraum kann es nicht wachsen, indem es Umland aufnimmt – jede zusätzliche Wohnung muss im bestehenden Stadtgebiet entstehen.

Daraus folgt das Prinzip der Innenentwicklung: Flächen, die ihre alte Funktion verloren haben, werden umgenutzt. Hafenbecken, die für moderne Containerschiffe zu klein sind. Güterbahnhöfe, die keine Güter mehr umschlagen. Gewerbegebiete, deren Betriebe abgewandert sind.

Der Vorteil ist, dass Infrastruktur meist vorhanden ist. Der Nachteil: Diese Flächen sind oft altlastenbehaftet, schwierig zu erschließen und teuer in der Vorbereitung – weshalb zwischen Beschluss und Erstbezug regelmäßig ein Jahrzehnt liegt.

Die Projekte im Überblick

ProjektLageCharakter
HafenCitySüdlich der InnenstadtGemischtes Quartier auf altem Hafengrund, seit Anfang der 2000er im Bau
GrasbrookZwischen HafenCity und VeddelNeuer Stadtteil auf Hafenfläche, Wohnen und Arbeiten gemischt
OberbillwerderBergedorf, nördlich von NeuallermöheNeuer Stadtteil auf landwirtschaftlicher Fläche
Neue Mitte AltonaEhemaliges GüterbahnhofsgeländeWohnquartier mit Park auf Gleisbrache
Science City BahrenfeldRund um den ForschungscampusVerbindung von Wissenschaft, Wohnen und Gewerbe

HafenCity und Grasbrook

HafenCity

Die HafenCity ist das älteste und größte der laufenden Projekte. Auf ehemaligen Hafenflächen südlich der Speicherstadt entsteht seit Anfang der 2000er-Jahre ein Quartier mit Wohnungen, Büros, Hochschulen, Kultureinrichtungen und Einzelhandel.

Die Kritik der ersten Jahre – zu teuer, zu wenig durchmischt, wenig belebt – hat die Planung der späteren Bauabschnitte verändert: mehr geförderter Wohnungsbau, mehr Baugemeinschaften, mehr Erdgeschossnutzungen, die nicht Büro sind. Der östliche Teil um die Elbbrücken unterscheidet sich deshalb deutlich vom westlichen.

Grasbrook

Auf der Elbinsel gegenüber, zwischen HafenCity und Veddel, entsteht mit dem Grasbrook ein weiterer neuer Stadtteil auf Hafengrund. Geplant sind Wohnungen, Arbeitsplätze und Freiflächen sowie eine Anbindung, die die bislang schlecht verbundene Veddel mit einschließt.

Genau darin liegt der interessanteste Anspruch des Projekts: Der Grasbrook soll die Elbinseln nicht überformen, sondern die vorhandenen Quartiere besser anbinden. Ob das gelingt, wird sich an der Veddel entscheiden – einem Stadtteil, der seit Jahrzehnten von Infrastruktur zerschnitten ist.

Oberbillwerder, Altona und Bahrenfeld

Oberbillwerder

Im Bezirk Bergedorf entsteht mit Oberbillwerder eines der größten Neubauvorhaben Norddeutschlands – auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche nördlich von Neuallermöhe. Geplant ist ein Stadtteil mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, Schulen und einem Konzept, das den Autoverkehr am Rand halten soll.

Das Projekt ist das umstrittenste der fünf. Kritik richtet sich gegen den Verlust landwirtschaftlicher Fläche, gegen die Entwässerungssituation im Marschland und gegen die Verkehrsanbindung.

Neue Mitte Altona

Auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs in Altona entsteht ein Wohnquartier mit einem großen Park. Der Bauabschnitt hängt eng mit der Verlagerung des Fernbahnhofs Altona zusammen – ein Projekt, das sich über Jahre verzögert hat und die Zeitpläne beeinflusst.

Science City Bahrenfeld

Rund um den Forschungscampus in Bahrenfeld soll ein Stadtteil entstehen, der Wissenschaft, Wohnen und Gewerbe verbindet. Der Gedanke: Forschungseinrichtungen sollen nicht auf einem abgeschlossenen Campus liegen, sondern in einem bewohnten Quartier.

Was das für Wohnungssuchende bedeutet

  • Neubauquartiere entlasten den Markt erst mit Verzögerung – zwischen Planungsbeschluss und Erstbezug liegen Jahre.
  • In allen Projekten gilt ein Anteil geförderten Wohnungsbaus. Wer einen Wohnberechtigungsschein hat, sollte die Vergabeverfahren verfolgen.
  • Baugemeinschaften bekommen in Hamburger Neubauquartieren regelmäßig eigene Grundstücksanteile – ein Weg zu Wohneigentum unterhalb des Marktpreises, der viel Vorlauf und Eigeninitiative verlangt.
  • Die Erstbezugsmieten in Neubauquartieren liegen fast immer über dem Mietenspiegel, weil Neubau teuer ist. Preiswert wird ein Quartier erst mit den Jahren.

Häufige Fragen

Wann sind die neuen Quartiere fertig?
Alle laufen über Jahrzehnte. Die HafenCity ist seit über zwanzig Jahren im Bau und noch nicht abgeschlossen; Grasbrook und Oberbillwerder werden abschnittsweise realisiert.
Gibt es dort geförderte Wohnungen?
Ja, in allen städtischen Entwicklungsprojekten ist ein Anteil geförderten Wohnungsbaus vorgesehen. Der Zugang läuft über den Wohnberechtigungsschein.
Was ist eine Baugemeinschaft?
Ein Zusammenschluss von Menschen, die gemeinsam ein Gebäude planen und errichten. Hamburg vergibt in Neubauquartieren regelmäßig Grundstücke an solche Gruppen, was den Preis gegenüber dem freien Markt senkt.
Wo finde ich verlässliche Informationen zum Planungsstand?
Bei der zuständigen Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen sowie den Projektgesellschaften. Sie veröffentlichen Bebauungspläne, Beteiligungstermine und Zeitpläne.

Quellen und weiterführende Stellen

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